Bronzefiguren von Bulle und Bär auf einer Fensterbank, dahinter die Frankfurter Skyline bei Gewitter mit aufklarendem Himmel am Horizont

Aktien trotz Krisen – Warum sich der Blick nach vorn lohnt

Aktienmärkte

Hohe Zinsen, politische Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit machen den Einstieg an der Börse nicht leicht. Doch die Weltwirtschaft wächst weiter.

Erfolgreiche Unternehmen verdienen Geld, und eine geopolitische Entspannung könnte zusätzliche Kräfte freisetzen. Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte deshalb auch die Chancen im Blick behalten.

Den perfekten Zeitpunkt für einen Aktienkauf wünschen sich viele Anleger: Die Wirtschaft wächst, die Zinsen sinken, politische Konflikte sind gelöst und die Kurse stehen möglichst niedrig. Nur passen diese Voraussetzungen selten zusammen. Wenn die Aussichten wieder eindeutig freundlich erscheinen, haben die Börsen häufig bereits einen Teil der Verbesserung vorweggenommen.

Das bedeutet nicht, dass Anleger bei jeder schlechten Nachricht kaufen sollten. Es bedeutet aber, dass Unsicherheit allein kein ausreichender Grund ist, langfristige Anlagepläne immer wieder aufzuschieben. Entscheidend ist, ob Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich wirtschaften können und welcher Preis für ihre zukünftigen Gewinne bezahlt wird.

Der globale Rahmen

Die Weltwirtschaft wächst – trotz aller Belastungen

Die Schlagzeilen vermitteln manchmal den Eindruck, die Weltwirtschaft stehe still. Die Prognosen zeichnen ein differenzierteres Bild:

Prognose des Internationalen Währungsfonds (Oktober)

Für 2026 erwartet der IWF ein weltweites Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent, für 2027 von 3,4 Prozent.

Gleichzeitig soll die globale Inflation von 4,7 Prozent auf 4,1 Prozent zurückgehen.

Es bestehen allerdings erhebliche Risiken, und ungünstige Entwicklungen können die Erholung bremsen.

Damit bleibt das wirtschaftliche Umfeld anspruchsvoll. Dennoch entstehen weltweit zusätzliche Einkommen, neue Nachfrage und Investitionen. Unternehmen entwickeln Produkte, verbessern ihre Abläufe und erschließen neue Märkte.

Wirtschaftswachstum und Aktienrendite sind nicht dasselbe.

Auch in einem stark wachsenden Land können Aktien enttäuschen, wenn ihre Bewertungen zu hoch sind. Umgekehrt können international erfolgreiche Unternehmen aus einem wirtschaftlich schwächeren Heimatland attraktive Geschäfte machen.

Deutschland

Der Firmensitz erzählt nur einen Teil der Geschichte

Wer deutsche Aktien beurteilt, sollte über die heimische Konjunktur hinausblicken. Viele börsennotierte Unternehmen verkaufen ihre Produkte und Dienstleistungen weltweit. Ihre Entwicklung hängt auch davon ab, wie viel Kunden in Amerika oder Asien investieren.

Beispiel SAP

Der Konzern bietet Software für zentrale Unternehmensabläufe an, vom Finanzwesen über die Personalverwaltung bis zur Lieferkette. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Cloudumsatz nach Unternehmensangaben um 22 Prozent, währungsbereinigt um 24 Prozent.

Das zeigt, dass einzelne Geschäftsbereiche auch in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld wachsen können.

Quelle: SAP News Center

Aus Anlegersicht kommt es jedoch auf mehr als Umsatzwachstum an. Wie profitabel ist das Geschäft? Wie viel Geld bleibt nach den notwendigen Investitionen übrig? Und wie viel künftiger Erfolg steckt bereits im Aktienkurs?

Auch Industrieunternehmen können Chancen bieten, wenn sich Investitionen und Welthandel beleben. Ihre Geschäfte reagieren allerdings häufig stärker auf Konjunkturschwankungen. Ein voller Auftragsbestand ist hilfreich – entscheidend bleibt, ob daraus profitable Umsätze und verlässliche Zahlungseingänge entstehen.

USA

Kräftige Gewinne, aber auch hohe Erwartungen

Der amerikanische Aktienmarkt bietet Zugang zu weltweit tätigen Unternehmen. Gerade bei Technologie und Digitalisierung stehen hinter vielen Geschäftsmodellen reale Umsätze und erhebliche Gewinne.

Beispiel Microsoft

Für das Ende Juni abgeschlossene Geschäftsjahr 2026 meldete das Unternehmen einen Umsatz von rund 331,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent. Das operative Ergebnis stieg um 21 Prozent auf rund 155,2 Milliarden US-Dollar.

Allein im Schlussquartal erhöhte sich der Umsatz mit Azure und weiteren Clouddiensten um 43 Prozent.

Solche Zahlen verdeutlichen, dass Digitalisierung und künstliche Intelligenz wirtschaftliche Bedeutung haben. Für eine Anlageentscheidung reicht das Schlagwort „KI“ dennoch nicht aus. Hohe Ausgaben für Rechenzentren und Technik müssen sich langfristig durch entsprechende Einnahmen auszahlen.

Zudem kann selbst ein kräftiger Gewinnanstieg an der Börse zu wenig sein, wenn Anleger noch mehr erwartet haben. Deshalb sollten neben Wachstumschancen auch Bewertung, Wettbewerb, Finanzierung und Investitionsbedarf betrachtet werden.

Ein weltweit ausgerichtetes Depot sollte außerdem weitere Branchen berücksichtigen. Gesundheit, Finanzdienstleistungen, Infrastruktur und Konsum eröffnen andere Ertragsquellen als das Technologiegeschäft. Wie stark die einzelnen Bereiche vertreten sein sollten, hängt von der gewählten Strategie ab.

Asien

Mehr als China und mehr als ein einzelner Wachstumsmarkt

Asien umfasst sehr unterschiedliche Volkswirtschaften und Aktienmärkte. Taiwan, Japan, Indien und China besitzen eigene Stärken und Risiken. Sie pauschal als einen Markt zu behandeln, wird diesen Unterschieden nicht gerecht.

Taiwan: Schlüsselrolle bei modernen Halbleitern

Beispiel TSMC

Der Halbleiterhersteller meldete für das dritte Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von 50,9 Prozent und einen Gewinnanstieg von 68,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jeweils in taiwanischen Dollar gerechnet.

In US-Dollar fiel das Umsatzwachstum mit 41,2 Prozent geringer aus – ein anschauliches Beispiel dafür, wie Wechselkurse die Zahlen beeinflussen.

Quelle: pr.tsmc.com

Die Geschäftsentwicklung macht deutlich: An den Investitionen in moderne Rechentechnik verdienen auch Unternehmen außerhalb der USA. Gleichzeitig bestehen Risiken durch den Halbleiterzyklus, hohe Investitionskosten und die geopolitische Lage rund um Taiwan.

Japan: Chancen durch Infrastruktur und industrielle Modernisierung

Japan eröffnet einen anderen Blick auf Asien. Hier lohnt es sich, neben der allgemeinen Konjunktur auch Unternehmen zu betrachten, die an langfristigen Investitionen beteiligt sind.

Hitachi ist beispielsweise in Bereichen wie Digitalisierung, Energieversorgung, Schienenverkehr und Industrie tätig. Diese Geschäftsfelder verdeutlichen, dass der Ausbau moderner Infrastruktur weit über Software und Internetplattformen hinausgeht. Stromnetze, Verkehrssysteme und industrielle Anlagen müssen ebenfalls erneuert und leistungsfähiger werden.

Für Anleger bleiben die Profitabilität einzelner Geschäftsbereiche und die Bewertung wichtig. Hinzu kommt das Währungsrisiko: Eine Veränderung des Yen kann die Rendite eines europäischen Anlegers verstärken oder abschwächen.

Indien und China: Wachstum mit unterschiedlichen Voraussetzungen

Wachstumsprognose des IWF für 2026
Indien 7,0 %
China 4,5 %

Beide Länder tragen damit zum weltweiten Wachstum bei, unterscheiden sich aber erheblich in ihrer wirtschaftlichen Struktur und ihren politischen Rahmenbedingungen.

Ein hohes Wachstum ist allerdings kein Freibrief für hohe Aktienbewertungen. Gerade wenn ein Markt bei Anlegern besonders beliebt ist, können bereits sehr optimistische Erwartungen in den Kursen stecken.

Bei chinesischen Anlagen verdienen zusätzlich staatliche Eingriffe, Handelskonflikte und die Bedingungen für ausländische Investoren besondere Aufmerksamkeit. Eine mögliche Entspannung internationaler Beziehungen könnte helfen. Sie würde diese grundsätzlichen Risiken jedoch nicht vollständig beseitigen.

Ein mögliches Szenario

Was eine geopolitische Entspannung bewirken könnte

Eine Beruhigung internationaler Konflikte könnte die wirtschaftlichen Aussichten über mehrere Wege verbessern. Das folgende Szenario beschreibt mögliche Wirkungen, keine sichere Vorhersage.

  1. Energie- und Transportkosten könnten sinken

    Wenn die Gefahr von Lieferunterbrechungen zurückgeht, könnten Risikoaufschläge bei Öl, Gas, Transporten und Versicherungen abnehmen. Das würde insbesondere energieintensive Unternehmen und importabhängige Volkswirtschaften entlasten.

  2. Unternehmen könnten wieder verlässlicher planen

    Wer Standorte, Lieferketten und Absatzmärkte besser einschätzen kann, trifft Investitionsentscheidungen leichter. Davon könnten Maschinenbau, Automatisierung, Logistik und zahlreiche Zulieferer profitieren.

  3. Nachlassender Kostendruck könnte die Inflation dämpfen

    Das würde grundsätzlich Spielraum für eine weniger restriktive Geldpolitik schaffen. Allerdings führen niedrigere Energiepreise nicht automatisch zu Zinssenkungen. Auch Löhne, Dienstleistungen, Staatsausgaben und Inflationserwartungen spielen eine Rolle.

  4. Die Risikobereitschaft der Anleger könnte steigen

    Wenn extreme Krisenszenarien unwahrscheinlicher erscheinen, verlangen Investoren möglicherweise geringere Risikoaufschläge. Das kann Aktienbewertungen unterstützen.

Nicht jede Branche würde gleichermaßen profitieren. Sinkende Energiepreise können beispielsweise Verbraucher und Industrie entlasten, zugleich aber die Erträge mancher Energieproduzenten belasten. Auch deshalb ist breite Streuung sinnvoll.

Politischer Ausblick

Nach den US-Zwischenwahlen: Rückenwind ist möglich

Die US-Zwischenwahlen könnten einen Teil der politischen Unsicherheit auflösen. Sobald die Mehrheitsverhältnisse feststehen, lassen sich die Spielräume für Steuerpolitik, Staatsausgaben und Regulierung besser einschätzen.

Klarheit kann die Märkte unterstützen. Ein automatischer Kursanstieg folgt daraus aber nicht. Entscheidend ist, welche Politik tatsächlich umgesetzt wird und wie sie auf Unternehmensgewinne, Inflation und Zinsen wirkt.

Zusätzliche Ausgaben oder Steuersenkungen können die Nachfrage anregen. Bei einer ohnehin angespannten Haushaltslage können sie jedoch auch höhere Finanzierungskosten begünstigen. Für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung wäre deshalb besonders hilfreich, wenn politische Berechenbarkeit, nachlassende geopolitische Spannungen und überzeugende Geschäftszahlen zusammenkommen.

Eine Jahresendrally ist unter solchen Voraussetzungen denkbar. Für einen langfristigen Vermögensaufbau sollte sie dennoch ein möglicher Zusatz sein, nicht die Grundlage der gesamten Anlageentscheidung.

Zinsumfeld

Hohe Zinsen bleiben ein Prüfstein

Höhere Zinsen treffen Unternehmen unterschiedlich. Wer hohe Schulden refinanzieren muss, spürt die Belastung häufig stärker als ein Unternehmen mit solider Bilanz und verlässlichen Einnahmen.

Auch aus Sicht der Bewertung spielen Zinsen eine Rolle: Wenn sichere Anlagen wieder höhere Erträge bieten, müssen Aktien mit ihren zusätzlichen Risiken entsprechend attraktive Aussichten eröffnen.

Fünf Fragen zur Unternehmensqualität

Darauf lohnt sich der Blick

  • Kann das Unternehmen seine Zinsen aus dem laufenden Geschäft gut bezahlen?
  • Wann werden größere Kredite fällig?
  • Bleibt nach Investitionen genügend Geld übrig?
  • Kann es steigende Kosten weitergeben, ohne Kunden zu verlieren?
  • Ist die Bewertung auch bei vorsichtigeren Gewinnerwartungen nachvollziehbar?

Unternehmensqualität bedeutet gerade in diesem Umfeld, auch schwächere Phasen finanziell durchstehen zu können.

In der Praxis

Wie ein überlegter Einstieg aussehen kann

Wer investieren möchte, sollte zunächst klären, welcher Teil seines Vermögens langfristig zur Verfügung steht. Rücklagen für unerwartete Ausgaben und geplante Anschaffungen gehören nicht in Aktienanlagen, deren Wert kurzfristig deutlich fallen kann.

Anschließend braucht es eine passende Strategie. Dazu gehören eine tragbare Aktienquote, eine Streuung über Länder und Branchen sowie ein Anlagehorizont, der auch längere Schwächephasen zulässt. Breit gestreute Fonds oder ETFs können dafür geeignete Bausteine sein. Kosten, Zusammensetzung und Überschneidungen sollten geprüft werden.

Ein Einstieg in mehreren Schritten kann helfen, die Entscheidung leichter umzusetzen. Er verhindert allerdings keine Verluste und kann bei unmittelbar steigenden Kursen schlechter abschneiden als eine vollständige Anlage zu Beginn. Ein Sparplan bietet wiederum die Möglichkeit, regelmäßig zu investieren.

Unser Grundsatz

Wichtiger als die Suche nach dem vermeintlich perfekten Kauftag ist ein Vorgehen, das Sie auch dann durchhalten können, wenn die Börse vorübergehend gegen Sie läuft.

Unsere Überzeugung

Zuversicht braucht ein solides Fundament

Die Weltwirtschaft wächst weiter. Unternehmen erwirtschaften Gewinne, investieren und entwickeln neue Lösungen. Chancen entstehen dabei in Deutschland und Europa ebenso wie in den USA und Asien.

Wenn sich die geopolitische Lage beruhigt, könnte das zusätzliche Entlastung bringen. Darauf allein sollte eine Geldanlage jedoch nicht bauen. Eine tragfähige Strategie muss auch mit Verzögerungen, Rückschlägen und enttäuschten Erwartungen umgehen können.

Deshalb kann es sich auch jetzt lohnen, den langfristigen Vermögensaufbau zu beginnen oder konsequent fortzuführen, sofern die Anlage zur persönlichen Situation passt. Wir setzen dabei auf einen klaren Grundsatz: Erst Liquidität sichern, dann langfristig investieren. Gemeinsam prüfen wir, welche Ziele Sie verfolgen, welche Schwankungen Sie tragen können und welche Strategie dazu passt.

Denn eine sorgenfreie Welt ist keine Voraussetzung für Vermögensaufbau. Ein durchdachter Plan ist es schon.

Helmut Böse · 23. Oktober 2026

Redaktionell aufbereitet mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz.

Titelbild: Symbolbild, mit Künstlicher Intelligenz erstellt. Es zeigt keine realen Personen, Orte oder Ereignisse.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die genannten Unternehmen dienen ausschließlich als Beispiele zur Veranschaulichung und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.

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