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Weiter schwierige Zeiten für Rentenfonds

News vom 10.01.2020

News vom 10.01.2020 - Finanzcoching Helmut Böse

Totgesagte leben länger, sagt man. An den Kapitalmärkten scheint dies seit ein paar Jahren für Anleihen zu gelten. Die Zinsen bleiben weiterhin niedrig.

Nach dem Zinsrückgang der vergangenen Jahre erschien die Verzinsung nahe Null wenig attraktiv, denn der schlechten Verzinsung stand das Risiko von Kursverlusten gegenüber für den Fall, dass die Marktzinsen wieder steigen würden. Solche Kursverluste hatten Anleger bei Rentenfonds schon kennengelernt. Mit der 2017 überraschend guten Entwicklung der Weltkonjunktur hatten Anleihen ein schwieriges Jahr hinter sich. 2018 brachte trotz Sorgen um die Konjunktur zunächst keine weitreichenden Kursgewinne, denn die großen Notenbanken testeten, wieweit sich ihre lockere Geldpolitik zurückdrehen lassen würde. Die amerikanische Fed hob ihre Zinsen weitere vier Mal an. Die Erwartungen an Rentenfonds im Jahr 2019 waren also gedämpft. Doch gerade dies war der Ausgangspunkt für eine positive Überraschung: Im bald zu Ende gehenden Jahr erlebten viele Anleihen Kursgewinne, was Rentenfonds eine Performance bescherte, die deutlich über den erzielbaren Zinsen lag. Entscheidend war ein neuerlicher Wechsel in der Geldpolitik: Die US-Notenbank senkte im Jahresverlauf dreimal ihren Leitzins und pumpt inzwischen wieder monatlich 60 Milliarden Dollar in die Märkte; die Europäische Zentralbank (EZB) kauft für 20 Milliarden Euro pro Monat Anleihen. Die rückläufigen Inflationsraten machen es möglich. Den Rentenmärkten bescherte das in den ersten acht Monaten dieses Jahres eine Kursrallye.

Dennoch dürfte auch am riesigen US-Bond-Markt eine jahrzehntewährende Hausse vor ihrem Ende stehen. Die Kursgewinne drückten die Rendite der wegweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen bis Anfang September kurzzeitig auf 1,43 Prozent, bevor es durch Kursverluste schon wieder Richtung zwei Prozent ging. Damit wurde in diesem Jahr das Zinstief aus dem Sommer 2016 schon nicht mehr ganz erreicht, als die Rendite bis auf 1,34 Prozent gefallen war. 2012 war bereits bei rund 1,40 Prozent der untere Wendepunkt erreicht worden.
Die relative Nähe dieser Renditetiefs in den vergangenen sieben Jahr spricht dafür, dass das Niveau zwischen 1,3 und 1,5 Prozent einen unteren Boden für die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen darstellt. Wie schnell es von da nach oben gehen kann, was mit empfindlichen Kursverlusten für die Anleihen verbunden ist, zeigten die rasanten Zinsanstiege im zweiten Halbjahr 2016 (von 1,4 bis über 2,5 Prozent) und von September 2017 bis Oktober 2018 (von 2,1 auf über 3,2 Prozent). Eine rasche Rückkehr zu Renditen von mehr als 3,2 Prozent, wie zuletzt im ersten Halbjahr 2011, ist auch für die USA nicht zu erwarten. Neue Zinstiefs unter 1,3 Prozent aber wohl auch nicht.

Während ein in US-Dollar operierender Anleger also immerhin mit Anleiherenditen rechnen darf, die nominal um zwei Prozent pendeln, was die Inflation ausgleichen kann, ist sich das Umfeld für in Euro rechnenden Investor anspruchsvoller: Anleihen besserer Bonitäten bringen auf Endfälligkeit keinen Zinsertrag mehr - im Gegenteil: Die Summe aller zukünftigen Zinszahlungen ist kleiner als der Aufschlag auf den Nennwert, den man bei Kauf der Anleihe zahlen muss. Das Halten von Euro-Anleihen bis zur Endfälligkeit ist also schon vor Kosten und Inflation ein Verlustgeschäft.

Entsprechend deutlich fallen die Empfehlungen von Kapitalmarktexperten und Fondsmanagern aus. Passive Renten-Indexfonds bieten ein denkbar schlechtes Verhältnis von Rendite zu Risiko. Renten-ETFs erteilen nahezu alle Experten eine Absage. Bei der Frage, welche Rolle verzinslicher Wertpapiere in Zukunft spielen könnten, gingen die Meinungen aber auseinander. Etwas provokant erklärte beispielsweise der Kapitalmarktexperte Philipp Vorndran vom Kölner Fondsanbieter Flossbach von Storch "Nie war Geld anlegen so einfach wie heute." Nur mit Aktien seien Investoren künftig in der Lage, noch reale Erträge zu erwirtschaften. Dazu bedürfe es bei vielen eines Umdenkens. Die mangelnde Attraktivität von verzinslichen Anlagen mache die Aktienanlage umso attraktiver. "Ich habe die Hoffnung, dass wir eines Tages eine positive Disruption in Deutschland erleben und viel mehr Menschen in Aktien investieren."

Andere Experten haben Anleihen noch nicht abgeschrieben, betonen aber die Notwendigkeit, flexibel zu agieren. So erklärte Richard Woolnough, Fondsmanager bei der britischen Fondsgesellschaft M&G, dass gerade in der heutigen Umgebung ein hoch flexibler Ansatz notwendig sei, um noch positive Rendite mit Anleihen zu erzielen. Eine Aktie nehme er grundsätzlich nur dann ins Portfolio, wenn sie gegenüber der Anleihe des gleichen Unternehmens einen klaren Preisvorteil aufweise. Er verfolge dabei einen "äußerst flexiblen Anlageansatz. Dabei wähle ich die Anlagen aufgrund der Beurteilung einer Kombination aus makroökonomischen, vermögens-, sektor- und titelbezogenen Faktoren aus." Die Streuung der Anlagen in Bezug auf Emittenten und Branchen sei ein wesentlicher Bestandteil seiner Fondsstrategie. "Aber für das Risiko, das ich nehme, will ich auch bezahlt werden."

Auch Jörg de Vries-Hippen von der deutschen Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) will auf Rentenpapiere in den kommenden Jahren nicht ganz verzichten. Ein gutes Portfolio schließe die Asset- Klasse Anleihen ein, was sich risikomindernd auswirke. Aktive Manager könnten verschiedene Risikoprämien erkennen und ernten. Allerdings, so räumte de Vries-Hippen ein, seien die Erwartungen der Anleger an die erzielbaren Renditen viel zu hoch. Inzwischen müsse man die Renditeerwartung am Zinsmarkt auf Null senken.

Auch wenn die Experten die Rolle, die Anleihen bzw. Rentenfonds zukünftig spielen können, unterschiedlich beurteilen, stimmen sie doch darin überein, dass die Ergebnisse der kommenden Jahre unter den Renditen liegen werden, die in den vergangenen Jahren im Durchschnitt erzielt wurden. Deshalb sollten Anleger das bislang oft noch hohe Gewicht von verzinslichen Anlagen verringern und da, wo ein völliger Verzicht auf Anleihen nicht möglich ist, auf flexible und aktive Manager setzen, die Opportunitäten an den Anleihemärkten nutzen können. Hinweise darauf können die Ergebnisse von Renten- und Mischfonds in den Schwächephasen der vergangenen Jahre liefern, etwa die Jahre 2017 und 2018.

(Eintrag vom 10.01.2020)

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