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Wirtschaftsskandale made in Germany

News vom 21.08.2020

News vom 21.08.2020 - Finanzcoching Helmut Böse

Offenbar glaubt das Ausland noch immer unserer Werbung von made in Germany: deutscher Intelligenz Qualität und Vorsprung durch Technik. Ob Abgasskandal bei VW, Bilanzskandal bei Wirecard oder der Corona-Skandal beim Großschlachter Tönnies - das Versagen von Unternehmen und Institutionen in Deutschland ist groß.

Weniger nachvollziehbar ist, dass die Leute in den deutschen Führungsetagen inzwischen an die eigene PR glauben und von der deutschen Überlegenheit tatsächlich überzeugt sind. Der Fall Wirecard ist eine Schande. Man ist entsetzt, dass so etwas passieren konnte in einem Land wie Deutschland, das für Qualität und Zuverlässigkeit stehe, ein komplettes Desaster.

Ein Desaster in der Tat. Vor allem aber, weil aus der Aussage "in einem Land wie Deutschland, das für Qualität und Zuverlässigkeit steht" genau die Selbstgefälligkeit spricht, aus der das Problem entstanden ist. Wir fühlen uns überlegen und zeigen lieber mit dem Finger auf andere, als daheim aufzuräumen: Die Griechen sind faul und hätten erst gar nicht in die EU gedurft, die Italiener mit ihren ewigen Regierungswechseln sind sowieso Chaoten, die Chinesen Umweltvernichter, die Spanier haben keine Ahnung, wie man Corona in den Griff bekommt, und die Wähler von London über Warschau bis Washington sind Idioten. Und wenn es bei Wirecard klemmt, sind Short-Seller aus dem Ausland schuld. Wer denn sonst? Ein Fall wie bei Enron bei uns? Niemals!

Den Fall Wirecardhat nicht etwa die BaFin ins Rollen gebracht, sondern die "Financial Times", der schon vor 18 Monaten klar war, dass große Teile des Zahlungsdienstleisters womöglich auf Sand gebaut sind - übrigens lange nach den ersten dokumentierten Zweifeln an Wirecards Bilanzierungsmethoden. Die stammen aus dem Jahr 2008. Seither reagierte Wirecard immer gleich auf unliebsame Fragen: Die Kritiker würden Insiderhandel treiben, in die eigene Tasche wirtschaften und zu diesem Zweck mit den Hedgefonds zusammenarbeiten. Die Behörden glaubten diese Mär der Aschheimer regelmäßig und fingen an, die Whistleblower zu untersuchen, nicht aber die Wirecard-Bilanzen. Motto: Deutsche Wirtschaftsprüfer machen keine Fehler! Dabei liegt die Vermutung nahe, dass das unglaubliche Ausmaß des Versagens der Herrschaften in dem Dax-Unternehmen und seinem Umfeld erst in den kommenden Tagen und Wochen klar werden wird.

Und last but not least: der Fall Tönnies. Das Elend der Schlachttiere in Deutschland ist lange bekannt, Ekelfleischskandale gab es zuhauf, genauso wie Versuche, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in der Fleischindustrie anzuprangern. Die Gier der Verantwortlichen bei Tönnies und Co. ist aber nur eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass es die Corona-Fälle braucht, bis die Behörden die widerliche Ausbeutung von Mensch und Tier zur Kenntnis nehmen. Diese Probleme hätten sich längst mit humaneren Gesetzen regeln lassen, doch die zuständige Weinexpertin im Landwirtschaftsministerium weigert sich genauso wie mindestens ein Dutzend ihrer Vorgänger, das Richtige zu tun. Grausamkeit in Deutschland? Kann nicht sein, haben wir 1945 abgeschafft.

Ein weiterer Mega-Skandal made in Germany ist wohl nur eine Frage der Zeit, solange in Deutschland in vielen Unternehmen, Behörden und Ministerien mit der selbstgefälligen Haltung gearbeitet wird, dass immer nur die anderen Fehler machen.

(Eintrag vom 21.08.2020)

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