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Börsenweisheiten sind wie Bauernregeln

News vom 30.06.2023

News vom 30.06.2023 - Finanzcoching Helmut Böse

Manche von Ihnen haben vielleicht schon von der Börsenweisheit "Sell in May and go away, but remember to come back in September" gehört. Viele Börsenweisheiten widersprechen sich. Das ist zwar nicht besonders hilfreich, aber äußerst unterhaltsam. In diesem Jahr wäre die Regel bisher falsch gewesen.

Börsenweisheiten der Börsengurus im Kapitalmarkt sind wie die Kölner Sprüche oder die Bauernregeln. Sie sind gleichermaßen amüsant wie sinnlos, weil man für alles und jedes irgendwelche Weisheiten findet, die irgendjemand mal gesagt haben soll. Mal behaupten sie dieses, mal jenes und mal gar nichts. Meistens klingen sie zumindest eingängig und nachvollziehbar.

Was haben diese Börsenweisheiten mit den Regeln der Bauern zu tun? Beide wurden aus der Erfahrung heraus entwickelt und sollen Orientierung in einer unvorhersehbaren Welt bieten. Bei beiden Regeln hätte das Werfen einer Münze zu ähnlichen Ergebnissen geführt. Aber sind sie eine solide Grundlage für unsere Anlagestrategien? Die großen Einbrüche am Aktienmarkt zwischen Mai und September in den Jahren 1998, 2001 und 2002 beeinflussen langfristige Vergleiche entscheidend zugunsten von "Sell in May". Die Saisonalität an den Aktienmärkten sollte also nicht überbewertet werden.

"Sell in May and go away" ist mit dem technischen Fortschritt zu Grabe getragen worden. Nur, weil eine alte Börsenregel sich reimt, überlebt sie eben nicht den Wandel. Aber dass die Aktienmärkte im vierten Quartal tendenziell fester gehen, ist als "Abfallprodukt" dieser Untersuchung ein Aspekt, den man im Hinterkopf behalten sollte.

Warum sollte man blind Anfang Oktober kaufen, wenn die Aktienmärkte oft auch in der angeblich "schlechten" Zeit zwischen Mai und September zulegen und man auf ein ganzes Füllhorn an Instrumenten der Technischen Analyse zugreifen kann (was vor 20, 30 Jahren ebenfalls nicht so ohne weiteres möglich war), das Signale generiert, mit denen man mit einem guten Chance/Risiko-Verhältnis Ein- und Ausstiegspunkte identifizieren kann? "Sell in May and go away" - dieser Spruch wird auch in den kommenden Jahren immer und immer wieder im April und Mai in den Medien auftauchen. Aber jetzt wissen Sie: Er gehört in die Mottenkiste!

Kalendereffekte: Wahrheit oder Mythos?

Wie Bauernregeln, beziehen sich auch viele Börsenweisheiten auf sogenannte Kalendereffekte. Die Logik hinter "Sell in May..." beruht auf der Idee, dass die Sommermonate an den Börsen tendenziell weniger Aktivität aufweisen. Schlechte Nachrichten könnten stärker durchschlagen, das heiße Wetter könnte die Euphorie dämpfen und es fehlen Dividendenprognosen. Die Herbst- und Wintermonate hingegen sind oft von mehr Bewegung gekennzeichnet, mit Ereignissen wie der Jahresendrally, die zusätzlichen Rückenwind liefern könnten.

Die Effizienz der Kapitalmärkte

Professionelle Investoren betrachten solche Regeln oft mit Skepsis. Die Kapitalmärkte sind äußerst effizient, und jede vorhersagbare Gewinnmöglichkeit, wie der vermeintliche "Kalendereffekt", würde schnell ausgenutzt und schließlich neutralisiert werden. Denn sobald eine Mehrheit der Anleger versteht, dass sie Geld mit einer bestimmten Regel verdienen können, werden sie versuchen, daraus Profit zu schlagen, und damit das zugrundeliegende Muster auslöschen.

Nützliche Börsenweisheiten

Trotzdem haben Börsenregeln ihren Wert. Einige, wie "Lege nicht alle Eier in einen Korb" oder "Hin und her macht Taschen leer", basieren auf soliden Prinzipien und können Anlegern dabei helfen, ihre Strategien zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen. Sie sind weniger Prognosewerkzeuge als vielmehr grundlegende Verhaltensregeln, die für jeden Investor, ob Profi oder Privatanleger, von Vorteil sind. Denken Sie immer daran: Börsenregeln und -sprüche können interessante Orientierungspunkte und Denkanstöße bieten, aber sie sollten niemals eine gründliche, informierte Analyse und eine gut durchdachte Anlagestrategie ersetzen. Wie der legendäre Investor André Kostolany es ausdrückte: "Wenn die Börsenspekulation leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und andere Schwerarbeiter. Jeder wäre Spekulant."

(Eintrag vom 30.06.2023)

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